Dutch Country - eine nahezu CO2 neutrale Welt.

Wir verlassen Philadelphia und tauchen ein in Pennsylvanias Dutch Country. Das Wort „dutch“ wird hier spöttischerweise für den Begriff deutsch genutzt. Gut 25% der Einwohner des Bundesstaates Pennsylvania haben deutschsprachige Vorfahren. Zu den noch heute am bekanntesten Einwanderern gehören die Mennoniten und Amish, die sich vor allem im Süden Pennsylvanias, im Lancaster Countty niederliessen. Auf dem Weg zu unserem heutigen Etappenziel York durchqueren wir Lancaster County und tauchen in eine ganz andere Welt ein.

Pennsylvania ist eine landwirtschaftlich sehr fruchtbare Gegend. Ackerbau, Viehzucht, insbesondere Milchviehzucht dominieren. Die kleinen Straßen verlaufen durch eine üppig grüne und hügelige Landschaft. Kleine Farmen rechts und links der Straßen wären an sich keine all zu große Sensation. Das Besondere hier, die Farmen werden noch zu einem recht großen Anteil betrieben wie um 1800. Kein Anschluss an das Stromnetz, keine Landmaschinen, keine Autos, keinerlei Elektronik oder gar elektronische Hilfsmittel.

Schon von weithin sichtbar flattert die zum Trocknen aufgehängte Wäsche in der warmen Sommerluft. Auf den Feldern sieht man Farmer mit ihren Söhnen arbeiten. Sie tragen schlichte einfache Kleidung und strohgelbe Hüte auf dem Kopf. Pferdekutschen mit fröhlichen jungen Mädchen klappern über die Straßen. Die Damen tragen weiße, manchmal schwarze Hauben auf dem Kopf und ebenso schlichte Kleider. Die Haube gibt Auskunft darüber, welchen Familienstand die Mädchen haben.

Alles hier wirkt wie in einer kleinen, schon längst vergessenen Welt. Ich fühle mich zum Teil wie ein Zeitreisender und erwische mich beim Begaffen der Menschen, was mir irgendwie sehr peinlich ist. Es ist faszinierend und verwunderlich zugleich, dass es Menschen gibt, die im 21.ten Jahrhundert noch immer ein so einfaches und man kann sagen basales Leben führen. Die Gesichter, in die wir schauen, sind glücklich und zufrieden. Ich glaube fast, zufriedener und glücklicher als viele jener, denen wir in Philadelphia begegnet sind.

Möglicherweise liegt das Glück tatsächlich in der Einfachheit des Lebens. Jeder in der Gemeinschaft der Amische besucht eine 8-Klassenschule und beginnt danach eine Art Praktikumszeit zur Ausbildung und Herausbildung persönlicher Fähigkeiten und Fertigkeiten, welche er oder sie danach auslebt. Insbesondere die Handwerkskunst der Zimmerei und der Tischlerei beherrschen viele Amische wie kaum ein Anderer. Die Frauen verfügen über hervorragende Fertigkeiten in der Handarbeit. Aufwendige handgefertigte Bettwaren, Kissenbezüge und Decken in einer wunderbaren Qualität. Die Landwirtschaft und die jeweiligen handwerklichen Fertigkeiten dienen dem Selbsterhalt der Gemeinschaft und tragen zum Erwerb der Gemeinschaft bei.

Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse der Amische des Lancaster County sind wahre Bioqualität und benötigen keine fragwürdigen Zertifikate. Die Kühe stehen sichtbar auf den Weiden, Hühner gaggern durch die Gärten, die Felder werden mit menschlicher und tierischer Muskelarbeit bestellt.

Der Ertrag ist so groß und die Qualität so gut, um u.a. als Zulieferer für den nahe gelegenen und sehr bekannten Schokoladenproduzenten Hersheys, in Hershy zu fungieren. Darüberhinaus sind die landwirtschaftlichen und handwerklichen Erzeugnisse weithin bekannt und begehrt. Ich träume schon lange von einem schönen, handgefertigten Quilt für unser Bett.😴

Um den Glücksfaden wieder aufzunehmen, es ist vermutlich das sichtbare Ergebnis der Hände Arbeit, das Familienleben und die Achtsamkeit der Gemeinschaft, die den Menschen im Lancaster County Glück und Zufriedenheit zurückgeben. Es gibt keinen Stress, keinen hemmungslosen Konsum, keine Jagd nach dem nächsten Megageschäftsjahr. Es ist ein bescheidenes Leben, im Einklang mit der Welt.

Dieses bescheidene Leben ist es, was einen vom Mensch gemachten Klimawandel hätte verzögert oder zumindest verringert. Jeder, der in Deutschland „Die Grünen“ wählt oder an den Fridays For Future Demonstrationen teilnimmt, der sollte sich überlegen, ob es dieses Leben ist, welches Er, Sie oder „*“ sich wirklich wünscht. Eine moderne Welt, in welcher sich Menschen durch Ablasshandel von ihrer CO2 Belastung freikaufen können, ist ein Lügenkonstrukt zur Beruhigung der Seele. Mit Steuern oder Policies, dem Lieblingswort von Luisa Neubauer, dem Segeln in einem Carbon Sportboot, wie Greta und dem permanenten Gejaule wird das Klima bzw. dessen Wandel sich nicht stoppen lassen und die dazugehörige Jugendbewegung eine Modeerscheinung bleiben.

VERZICHT, SOWIE EINE ABKEHR VOM GRENZENLOSEN GLOBALEN WACHSTUM DURCH ZÜGELLOSEN HANDEL UND KONSUM SIND DIE FAKTOREN, WELCHE EINEN NACHHALTIGEN BEITRAG LEISTEN WÜRDEN!

Bilder aus dem Dutch Country gibt es hier.

Die Straßen von Philadelphia

Heute ist es gar nicht so einfach meinen Blog Beitrag so zu schreiben, dass ihr einen umfassenden Eindruck von Philadelphia, so wie ich es gesehen habe, erhaltet.

Ich starte den heutigen Tag mit einem morgendlichen Lauf genau in jenen Straßen, die Bruce Springsteen besingt. Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, den Song nicht während meines Laufs zu spielen und dennoch geistert die Melodie und der Text rasch in meinem Kopf herum. Sonntagmorgens ist noch nicht viel Leben in Downtown Philadelphia. Die Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg in die Häuserschluchten. Vor den Hoteleingängen stehen die Portiers in ihren Uniformen. Einige Anliefer–LKWs sind unterwegs, touristische Frühaufsteher und Menschen, welche die heiße Nacht auf den Straßen verbracht haben. Es sind nicht wenige und viele sind wirklich heruntergekommen, in einem sehr erbärmlichen Zustand – selten habe ich so heruntergekommene Obdachlose gesehen.

Zurück im Hotel ist immer noch Stille und Dunkelheit im Zimmer. Zeit, dass ich den Morgen herein lasse!

Wir starten unseren Tag im INHP, den Independence National Historic Park. Der Park ist eine großzügige Anlage, mit Besucherzentrum und Parkanlage. Die Anlage, welche vom Nationalpark Service betrieben und verwaltet wird, so wie alle zugehörigen Gebäude und Museen, ist Tip Top in Schuss - darauf legen die Amerikaner großen Wert. Am nördlichen Ende des Independence National Historic Parks befindet sich das National Constitution Center, am südlichen die Independence Hall.

Was viele nicht wissen, sowohl die Unabhängigkeitserklärung, als auch die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika wurden hier in Philadelphia entworfen und von den 13 Gründungsstaaten unterzeichnet. Es war der Sommer im Jahr 1778, der den Grundstein für die USA legte. Wir nehmen an einer sehr interessanten Führung durch die Independence Hall teil und erfahren historische Grundlagen, bevor wir genau jenen Raum betreten, in welchem beide so bedeutsamen Dokumente erarbeitet und unterzeichnet wurden. Geschichte zum Anfassen, die auch unseren Teenagern Spass macht.

Vom INHP aus laufen wir durch die feuchte und drückende Mittagshitze hinunter zum Delaware River, welcher die Staatsgrenze zwischen New Jersey und Pennsylvania markiert, tauchen ein, in eine kleine Gasse mit dem Namen Elfreth‘s Alley. Hier befinden sich noch wenige, englisch-irisch geprägte Häuser aus der ganz frühen Gründungszeit Philadelphias im Jahr 1682. Ein gewisser William Penn und die ihm zugehörige Quäker Gruppe sind die Väter der Stadt.

Aus Old Town bewegen wir uns zurück in Richtung nördliches Ende des  Independence National Historic Parks, vorbei am Betty Ross Haus und der kleinen Friedhofsanlage der Christ Church. Hier liegt Benjamin Franklin begraben. Eine Gedenktafel neben seinem Grab zeigt die Meilensteine seines Lebens auf - sehr beeindruckende Etappen! Wer sich übrigens gerade beim Lesen gefragt hat, wer Betty Ross war: sie hat die erste Flagge der Vereinigten Staaten genäht - 13 Sterne im Kreis angeordnet, sowie die bekannten Streifen.

Wir steigen in die U-Bahn Market, Ecke 5te Straße ein und fahren zurück nach Downtown, Ausgang City Hall. Das Rathaus gleicht eher einem Schloss oder einer Festung. Sein 167m hoher Rathausturm ist weithin sichtbar. Im Dilworth und Love Park hinter dem Rathaus legen wir Pausen ein und jeder genießt das bunte Treiben auf seine Weise. Die Teens werden wieder für kurze Zeit zu Kindern und erfrischen sich in der Brunnenanlage, Susann streckt die Beine aus sonnt sich und ich suche Motive für Bilder. 

Die Hitze ringt uns trotz Pause einen erfrischenden Stop in unserem Hotel ab, wo wir uns für gut 2 Stunden ausruhen und erst am späten Nachmittag nochmal in die Straßen von Philadelphia bewegen. Im Independence Biergarten kehren wir schlussendlich zum Abendessen ein und schlendern in der Dämmerung zurück.

Mein morgendlicher Blick auf die Straßen von Philadelphia hat viele Färbungen bekommen. Mir fällt auf, dass sich die Stadt lebendig, von seiner Architektur abwechslungsreich, und mit seinen vielen Museen als sehr attraktiv zeigt. Ja, auch die Obdachlosen gehören zu diesen Facetten einer US amerikanischen Großstadt. Wer die Ostküste bereist, sollte nicht nur NYC und Washington D.C. auf seinem Reiseplan haben, sondern unbedingt auch Philadelphia.

Bilder aus den Straßen von Philadelphia findet Ihr hier.

Von Providence nach New Haven

Providence, die Hauptstadt des kleinsten US Bundesstaates, Rhode Island, hatte ich bisher nie auf dem Zettel. Mir ging es sicher wie vielen, irgendwie hat man den Namen bereits gehört, es fehlt einem jedoch ein Bild vor den Augen. Für mich hat sich dies mit dem heutigen Tag geändert und wer sich die Bilder zum Blogeintrag ansieht bekommt ebenfalls einen ersten Eindruck.

Im Jahr 1636, von dem aus Boston vor der Anklage der Ketzerei geflohenen Roger Williams gegründet, entwickelte sich Providence bis um 1900 zu einer der vermögensten Städte der USA. Insbesondere durch Handel, Textil-, Werkzeug- und Industrieproduktion getrieben. Große Namen der Zeit waren: Brown & Sharpe, Corliss Steam EngineCompany, Babcock & Wilcox, Grinnell Corporation, Gorham Manufacturing Company, Nicholson File und Fruit of the Loom. Heute dominieren vor allem die Brown University, das Government sowie großen Kliniken den Arbeitsmarkt.


Die Stadt wirkt in meinen Augen übersichtlich und etwas verschlafen. Irgendwie hat Providence einen besonderen Charme und Charakter, der von den vielen, sehr alten Gebäuden aus der Zeit des Art Deco Stils ausgeht. Einige der Häuser sind in top Zustand, andere “under construction”, wenige wirken verlassen. Dennoch fehlt es mir an etwas mehr Leben in der Stadt. Es sind deutlich weniger Menschen auf den Straßen, Touristen sind kaum vorhanden und es fehlt an den sonst typischen Geschäften und der Geschäftigkeit.

Nach gut 2 Stunden steigen wir in unseren Urlaubswagen, übrigens ein Infiniti XQ60 und nehmen Ziel auf New Haven. Zunächst dem Interstate 95 folgend, biegen wir dann in Clinton, CT auf den Highway 1 ab und folgen dann dem 146iger. Eine großartige Entscheidung. Wir fahren durch eine fast schon schrecklich kitschige Landschaft - Neu England wie aus dem Bilderbuch. Häuser und Örtchen, zum Träumen schön. Die Zeit scheint hier nahezu stehen geblieben. Beim Anblick kommt man ins Träumen von einem Leben in einer kleinen, heilen Welt.

Am späten Nachmittag erreichen wir New Haven, entscheiden uns aber dem Ort, insbesondere dem Campus der Yale Universität, erst morgen einen Besuch abzustatten. Wir haben ja schließlich Urlaub und wollen uns Zeit geben, Gesehenes zu verarbeiten. Bei einem Abendessen im Städtchen Milford sitzen wir auf der weißen Veranda eines kleinen, für New England typischen Hauses und genießen mit den Anwohnern den milden Freitag Abend bei Grillengezirpe und leckerem Essen.

Bilder findet ihr hier.

Von Cape Cod nach Providence, RI

Die Nacht verbrachten wir im Spring Garden Inn, einem niedlichen, kleinen Motel in East Sandwich. Der Ort, wie viele der kleinen Orte auf Cape Cod, stammen aus der Zeit um 1635 und sind mehr oder weniger mit der Walfangindustrie verbunden.

Mein Morgen auf Cape Cod beginnt um 6:35 Uhr mit einem erfrischenden 5 Kilometerlauf, vorbei an schönen, teils herrschaftlichen Sommerhäusern hinunter zum Strand. Ich treffe auf morgendlichen Mitstreiter und nette Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern. Als ich zurückkomme ist, zumindest in unserem Zimmer, das Leben auch schon erwacht - es herrscht Betriebsamkeit und Konkurrenzkampf um Zeit im Badezimmer 🙄.

Irgendwie schaffen es dann doch alle, geduscht und sortiert im Auto zu sitzen, um dem Frühstück entgegenzusteuern. Möglicherweise ist es der Erhaltungstrieb, der die Rotte dann doch zusammen hält. Normalerweise keine großen Zeilen Wert, möchte ich heute das Riverview Cafè erwähnen. Es handelt sich um ein Projekt der Riverview School mit dem Ziel, die Absolventen an das Berufsleben im Allgemeinen und hier speziell in Gastronomiebetrieben heranzuführen. Ein schönes Projekt - besonders auffällig, es ist erfrischend unauffällig. Würde man nicht durch Erklärungen im Café auf das Projekt aufmerksam gemacht werden, würde man es nicht bemerken. Die jungen Menschen machen ihre Arbeit wirklich gut. Die Auswahl an Speißen und Getränken ist umfangreich, der Geschmack prima,  Freundlichkeit und Service, wie USA üblich - HERVORRAGEND!

Gut gefrühstückt zieht es uns weiter in Richtung Mid Cape Cod. Wir befahren eine landschaftlich schöne Straße und durchqueren niedliche Orte, mit traumhaft schönen kleinen und großen Häusern. Kaum hat man sich entschieden eines der Häuser als besonders schön zu empfinden, taucht ein weiteres auf, welches um die Gunst buhlt. In Orleans, etwa auf Höhe der Armbeuge (Cape Cod lässt sich mit einem gebeugten Arm vergleichen) biegen wir in Richtung Süden ab und unterbrechen unsere Fahrt für einen Strandspaziergang. Der Himmel ist blau, die See ruhig, der Strand voller Muscheln - herrlich.

Der südliche Teil der Insel ist belebter und touristisch erschlossen. Ca. 6. Millionen Besucher verbringen hier ihre Sommerferien. Auch der Kennedy Clan verfügt über einen beachtlichen Grundbesitz nebst diversen Anwesen. Trotz dieser Beliebtheit gibt es keinen einzigen Hotelbunker und keine Beach typischen Geschäfte mit Firlefanz. Die Insel wirkt maritim und immer noch ein wenig verschlafen - richtig schön!

Die Straße trägt uns weiter auf unserer Route in Richtung Süden, in den kleinsten US. Bundesstaat, Rhode Island. Bevor in unser heutiges Etappenziel Providence ansteuern, statten wir Newport einen Besuch ab. Die Hafenstadt verdangt, wie Providence ihre Gründung (1635) den eher moderaten Anhängern Roger Williams, welche sich von den in Boston lebenden Hardlinern der Puritaner absonderten. Zunächst auf den Walfang spezialisiert, entwickelte sich Newport noch vor dem Bürgerkrieg zu “America’s First Resort”, dem Platz der Schönen und Reichen. Vor allem Plantagenbesitzer der Südstaaten und Industrielle leisten sich hier ihre Sommerresidenzen. Es sind große Villen und Palais, die heute oft als Museen zu besichtigen sind und in teils öffentlichen Parkanlagen liegen. Zu ihrer Blütezeit residierten hier die Vanderbilts, Morgans, Astors und Fishers.

Newport ist recht gezogen, die Villen an der Bellevue Ave. liegen weit auseinander und sind zu Fuß kaum zu erlaufen. Kein Mensch, der es sich leisten konnte, lebte seiner Zeit auf so engem Raum wie wir es inzwischen gewohnt sind. Wir verbringen etwas Zeit in der Marina, schlendern durch die Straßen, essen ein Eis, schauen in die Schaufenster der vielen kleinen Geschäfte und lassen uns dahin treiben.

Für den Rest des späten Nachmittags ist nurmehr die Anreise in das 45 Minuten entfernte Providence geplant.

Bilder des heutigen Tages gibt es hier.

Von Springfield, IL nach St. Louis, MO

Wir folgen weiter den Spuren der alten Route 66 und fühlen uns immer mehr wie in einem Road Movie. Es ist ein irres Gefühl von Freiheit und Entdeckertum, dass uns mit jeder zurückgelegten Meile beschleicht.

Umgeben von Mais- und Sojafeldern, die schier unendlich und bis zum Horizont zu reichen scheinen, durchstreifen wir die Landschaft. Zeitweise reisen wir auf Straßenabschnitten, die derart alt und verlassen sind, dass bereits das Gras die Oberhand über die Befestigung gewonnen hat.

Immer wieder kommen wir an Ortschaften vorbei, welche wie eingefroren erscheinen in einer längst vergangenen Zeit. Es ist was wir uns erhofft hatten - eine Reise in die Vergangenheit, eine Reise durch Schicksale einzelner Regionen.

Wir durchqueren die Ortschaften Chatham, Virden und Carlinville und nähern uns langsam aber sicher dem Tor zum Westen, St. Louis. Inzwischen hat sich auch die Landschaft verändert. Die flache Prärie wechselt sich mit sanften und grünen Hügeln ab und nahezu jede kleine Schlucht - wird als "Creek" bezeichnet - es ist ein wenig wie im Film.

St. Louis ist dann wieder die Rückkehr ins Hier und Jetzt, wobei auch hier die Zeit (leider) still zustehen scheint. Die Stadt steckt architektonisch in den 70iger Jahren fest und hat schon sehr viele besser Zeiten erlebt.

Einst eine der großen Metropolen der USA, welche ihren Aufschwung durch die Besiedlung der Europäer zum einen und die hervoragende Lage am Mississippi zum anderen zu verdanken hatte, kämpft die Stadt und der Großraum seit den späten 90iger Jahren und der Neuzeit mit dem Untergang der lokalen US Automobilindustrie.

Es ist wirklich sehr schade zu sehen und lässt erahnen, warum ein Slogan, wie "Make America Great Again" derart den Nerv der Zeit getroffen hat - gleich wenn noch nicht viel Politik davon zu sehen ist. Aber auch die davorliegenden 8 bis 10 Jahre waren nicht nur in St. Louis vertane Chancen einer vernünftigen Strukturpolitik.

Die letzten negativen Schlagzeilen im Großraum machte der Vortort Ferguson - wochenlange Unruhen im Vorort ließen die Welt erahnen, welche Spannungen in der Großregion um St. Louis stecken.

Lassen wir uns aber nicht abschrecken und wenden uns wieder den Sehenswürdigkeiten zu. Der Gateway Arche symbolisiert das Tor zum Westen. Ein phänomenales Wahrzeichen und weltweit das größte, ist es sogar zu erklimmen. In kleinen, an eine Waschtrommel erinnernde Kapsel reist man in die Spitze des stählernen Bogens und genießt einen grandiosen Ausblick über die Stadt und die Region. Der Anblick macht Freude auf die kommenden Meilen die vor uns liegen und lässt den Entdeckergeist von Lewis & Clark wach werden.

In den Straßenzügen von St. Louis wechseln sich Gebäude aus der Blütezeit und den futuristischen 70iger Jahren ab. Sport steht hier im Zentrum und das Wiederum in Form der Busch Arena. Nein nicht G.W. Busch - hier dreht sich alles um die in St. Louis ansäßige Anheuser-Busch Inc. Brauerei, eine der größten der Welt.

Bevor wir morgen weiter in den Westen Missouris aufbrechen, statten wir den Anheuser-Busch's noch einen Besuch ab.

Von Chicago, IL nach Springfield, IL

Der Startpunkt unserer Reise liegt in Chicago, Michigan Ave Ecke Adams St., wobei dies nicht den ursprünglichen Ausgangspunkt der alten Route 66 markiert. Durch Veränderungen der Stadtplanung bzw. Straßenführung in Chicago wurde dieser immer wieder verändert.

Die ersten Kilometer aus Chicago hinaus, gehören wahrlich nicht zu den Höhepunkten der Strecke und so sind wir bis nach Joliet dem Interstate 55 gefolgt. Ab Joliet lohnt es sich die Strecke abseits des I55 zu fahren - teilweise sind dies noch die originalen Abschnitte der alten Route 66, teilweise eine parallel zum I55 führenden Servicestraße.

Kleine verlassene Orte, Maisfelder bis zum Horizont und grüne Prärielandschaften wechseln einander ab und bieten dem Auge eine schöne Abwechslung. Das erste, wohl typische Zeichen der Route 66 taucht dann in Wilmington auf. Der Gemini Giant,  eine knapp 10 Meter große Figur mit Weltraumhelm, machte einst die Reisenden auf den Launching Pad Diner aufmerksam.

Heute ist dieser Diner geschlossen und dennoch legen Reisende einen Stop ein - nicht um sich zu stärken - vielmehr um ein Bild zu schießen, um den Daheimgebliebenen das erste skurile Urlaubsbild zu zeigen. Selbstverständlich haben auch wir diesen Stop eingelegt.

Eigentlich sind es aber die vielen Kleinigkeiten am Straßenrand, die das Gefühl, auf einer langen und großen Reise zu sein, aufkommen lassen.

Chicago, IL

Startpunkt unserer gemeinsamen Reise ist Chicago - The Windy City.

Beeindruckend gegensätzlich präsentiert sich diese Stadt. Sie kommt als große Metropole mit einem Hauch venizianischem Charme, riesigen Wolkenkratzern, Glamour und sichtbarer Armut daher.

Besonders faszinierend - die Stadt liegt direkt am Westufer des Michigansee. Im Winter häufig zugefroren, kann man sich im Sommer herrlich von der Gluthitze der Stadt abkühlen.

Besonders schön könnt ihr die Stadt vom Wasser, dem Chicago River,  aus entdecken. Die Perspektive und das Gefühl von einem Stadtfluss die Metropole zu entdecken, ist etwas ganz besonderes.

Im Zentrum der Stadt, auch "The Loop" genannt, kommt das Chicago Feeling der 1920iger Jahre immer noch auf. Im Kreis und daher The Loop genannt, durchzieht die Stadtbahn oberhalb der Straßen der Stadt, einmal das innere Zentrum. Hier liegt auch der offizielle Startpunkt der Route 66.

Besonders ans Herz möchte ich Euch einen kleinen Abstecher in den Luire Garten legen. Dieser liegt im Millenium Park und ist eine wunderschön gestaltete urbane, grüne Oase. Genau der Richtige Ort für ein Mittags-Picknick und Erholung vom Großstadtlärm.

Gut erholt könnt ihr dann einen Shopping Rundgang auf der Magnificant Mile starten - die Einkaufsstrasse in Chicago. Auch hier gibt es jede Menge Abwechslung - neue glitzernde Geschäfte, große Geschäftsgebäude und dann, mittendrin und gegenüber vom John Hancock Center, steht, winzig klein, die Fourth Presbyterian Church.

Wusstet ihr eigentlich, dass Ray Kroc in De Plaines, einem Vorort von Chicago am 15. April 1955 die erste McDonalds Filiale der USA als Franchiseunternehmen eröffnete? Und die Filiale existiert noch heute!

Und sonst? Richtig nett sind auch die westlich gelegenen Vororte, wie zum Beispiel Oakpark. Schön kleinstädtisch mit tollen Parkanlagen, kleinen Geschäften und superschönen Neighborhood Siedlungen.

Ich könnte hier noch so viel mehr über Chicago und die Sehenswürdigkeiten, wie Willis Tower, John Hancock Center oder dem Navy Pier schreiben.

Wir wollen aber unser Ziel nicht aus dem Auge verlieren und das liegt gute 3.200 Kilometer entfernt im Westen. Los gehts auf die erste Etappe, nach Springfield, IL.